Deutschland und seine Flüchtlinge

Die Ereignisse der letzten Silvesternacht haben – mal wieder – eine typisch deutsche Debatte über Migration und Integration ausgelöst: geprägt von pauschalen Urteilen und Forderungen gegenüber zugewanderten Menschen. Dabei kommen Narrative zum Tragen, die in den vergangenen Jahrzehnten etabliert wurden und häufig für (partei)politische Zwecke reaktiviert werden. Dabei spielen auch die Diskurse aus dem “langen Sommer der Flucht” aus dem Jahr 2015 eine Rolle, die der Theologe Uwe Becker in seinem Buch untersucht.

Anhand von rund zweihundert Texten aus der Wochenzeitung “Die Zeit” zeigt er auf, wie auf die mediale Euphorie der Willkommenskultur Szenarien der Bedrohung und Ausgrenzung folgten. Spätestens nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht 2015/16 kippte die Stimmung hin zu einer restriktiven Flüchtlingspolitik. Die damit verbundenen Diskussionen über angebliche Undankbarkeit der geflüchteten Menschen und härtere Abschieberegelungen sind nun erneut auf der Tagesordnung, wenn auch allgemein auf “Migranten” bezogen. Im Ergebnis steht – damals wie heute – eine Polarisierung zwischen “den Deutschen” als guten Gastgebern und “den Fremden”, die als Gäste und potenzielle Störer bzw. Täter empfunden werden. Selbst wenn Letztere in Deutschland geboren und aufgewachsen sind. Uwe Becker weist mit seinem medienkritischen Buch somit auf einen Diskurs hierzulande hin, der selbst zu einem Hindernis für die gelungene Integration von zugewanderten Menschen geworden ist.

„Uwe Becker führt eindringlich vor Augen, wie wir uns das Weltgeschehen durch Erzählungen zurechtlegen, und lässt uns dabei in einem Licht erscheinen, in dem wir uns nicht gern wiedererkennen. Eine brisante und überfällige Studie.“

Albrecht Koschorke, Professor für Neuere Deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft, Universität Konstanz

Interview mit dem Autor beim transcript Verlag

Key Facts

  • Autor: Uwe Becker
  • Verlag: transcript
  • Erschienen am 9. Juni 2022
  • Seiten: 288
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