Wetterwechsel. Deutsche Außenpolitik von Bismarck bis Scholz

Selten standen außen- und sicherheitspolitische Fragen so sehr im Mittelpunkt des deutschen Politikbetriebs wie im ausklingenden Jahr 2022 – kein Wunder angesichts der russischen Aggression und der viel zitierten Zeitenwende. Dabei hat die deutsche Außenpolitik in den vergangenen 150 Jahren bereits einige Volten erlebt, wie Mariano Barbato in seinem Buch deutlich macht. Der Politikwissenschaftler beschreibt darin die Außenpolitik des Kaiserreichs, der Weimarer Republik, des NS-Staats, der westdeutschen Bundesrepublik sowie des vereinten Deutschlands jeweils aus der Sicht der verantwortlichen Kanzler, die stets die außenpolitischen Leitlinien vorgegeben hätten.

„(…) die interessante und nur scheinbar altmodische Abfolge von Kanzler-Kapiteln (…) nach dem Prinzip Chefsache ist nämlich nicht nur recht kurzweilig und entspricht der Richtlinienkompetenz, sie macht auch von Kapitel zu Kapitel anschaulich, wie für die Regierenden die Tagespolitik und folgenreiche Weichenstellungen oft undurchschaubar verknotet sind.“

Johan Schloemann, Süddeutsche Zeitung

Mittels vieler Wettermetaphern (z.B. „Brandt verlängert das Tauwetter“ oder „Merkel simuliert Windstille“) schildert Barbato nachvollziehbar, wie das Land immer wieder changierte zwischen weltpolitischer Zurückhaltung und einer aktiven Rolle auf der Weltbühne oder gar Dominanzstreben – mit den bekannten unheilvollen Folgen zweier Weltkriege. Welcher Kurs eingeschlagen wurde, sei oft abhängig gewesen von der jeweiligen wirtschaftlichen Situation des Landes, so der Autor.

Russland Krieg gegen die Ukraine stelle Deutschlands jahrelanges Geschäftsmodell, im Windschatten anderer mitzusegeln, nun jedoch völlig infrage. Die außenpolitischen Handlungsoptionen Deutschlands im 21. Jahrhundert, die Barbato abschließend beleuchtet, fallen deshalb eher ungemütlich aus.

Key Facts

  • Autor: Mariano Barbato
  • Verlag: Campus
  • Erschienen am 12. Oktober 2022
  • Seiten: 314
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