Das »Wir« der AfD. Kommunikation und kollektive Identität im Rechtspopulismus

Es gibt nicht erst seit den aufgeflogenen Umsturzplänen der Reichsbürger-Gruppierung einige Anzeichen dafür, dass es sich bei Teilen der AfD um den parlamentarischen Arm einer politischen Bewegung handelt, die sich gegen die Bundesrepublik und ihre Verfassung richtet. Dazu tragen auch die Kommunikation und Narrative bei, die die Partei verwendet. Wie es der AfD gelingt, unter ihren Anhänger:innen eine von Freund-Feind-Denken geprägte kollektive Identität zu erzeugen, erklärt der Kommunikationsexperte Johannes Hillje in seinem neuesten Buch.

Aufgrund eines Mangels an gesellschaftlicher Verankerung arbeite die Partei besonders in den sozialen Medien intensiv an einem Gemeinschaftsgefühl durch Emotionalisierung und Selbstheroisierung, so Hillje. Ihr Identifikationsangebot beruhe dabei hauptsächlich auf einem kulturellen Kampf um das, was als „normaler“ Lebensstil gelten soll – gegen jeden Veränderungsdruck durch Klimawandel, Globalisierung oder Energiekrise. Dafür würden in der Partei-Kommunikation klare Trennlinien gezogen: Wer „typisch deutsch“ lebt, gehört zur Ingroup der AfD; die Bundesregierung, die politische Elite und zivilgesellschaftliche Akteure werden hingegen zu „Verrätern” an der eigenen Kultur und zum Feind im Inneren erklärt. Der Autor warnt, dass auf diese Weise zur Delegitimierung der Demokratie beigetragen werde.

Zudem inszeniere sich die Partei als Opfer der Elite und Retterin des Landes, ohne jenseits des Kulturkampfs ein ernsthaftes sachpolitisches Angebot zu machen. Das Buch – zugleich die Dissertation des Autors – bietet noch viel mehr erhellende Einblicke in die Kommunikation der AfD und ist trotz seines wissenschaftlichen Aufbaus sehr gut lesbar.

„Eine erkenntnisreiche und innovative Studie“

Armin Pfahl-Traughber, Endstation-Rechts.de

Interview mit Johannes Hillje für die Frankfurter Rundschau

Key Facts

  • Autor: Johannes Hillje
  • Verlag: Campus
  • Erschienen am 14. September 2022
  • Seiten: 279
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